Wasser
Ich weiß nicht, ob ich mich schon über das Wasser ausgelassen habe. Aber das Trinkwasser, das Wasser aus dem Pool und sogar das gekaufte Wasser schmeckt hier alles nach einem Mix aus Salz und Chlor. Wenn ich Hause bin, werde ich erstmal einen Liter stilles, geschmackloses Wasser trinken. Mein erster Kaffee steht hier vor mir und wer mich kennt, weiß wie wichtig mir der erste Kaffee am Morgen ist, und er schmeckt nach Salz. Ich habe das Wasser wirklich lange kochen lassen…grmpf
Was ich verarbeiten muss
Stell Dir vor: ein türkisblauer Strand mit weißem Sand, dicke fette Hotelanlagen, gesichert mit hohen Mauern, dicken Stahltoren und Wachschutz. Auf dem Gelände laufen überall Security-Männer herum, nicht nur, um die Affen zu verjagen. Ein Wahnsinnsrestaurant, in dem einem der Duft von sämtlichen Gewürzen um die Nase weht. Direkt neben dem Hotel befindet sich der öffentliche Strandzugang. Dort stehen sie: William, Macos, Alibaba (heißt eigentlich Mohamed) und fünf andere, die ich nicht kennenlernen möchte. Sie fangen den ganzen Tag Touristen ab. William ist der „Captain“, sagt er. Dabei ist er der Chef dieser herumlungernden Bande und zieht die Aufträge an Land. Das meiste Geld machen sie, wenn sie Bootstouren verkaufen: Aussichtsboot, eine Fahrt zur Insel, ein Glasboot, ein Segelboot, eine Fischertour etc.
Sorry… ich muss mal kurz anderes Wasser kochen, Kaffee mit dem Leitungswasser geht gar nicht…
Die Villa hat einen großen Gasherd. Viele Felder und nur einen alten, verrosteten Gasanzünder. Als Nichtraucher habe ich kein Feuerzeug, man drückt also ca. 50 Mal auf diesen Gasanzünder, bekommt schon einen Krampf im Daumen und dann, nach ca. 50 Versuchen, springt dir die erwartete Flamme ins Gesicht. Ich glaube, ich werde das mal erneuern.
Zurück zu William und Co.
Sie haben es geschafft, meinem Bruder eine Fischertour anzubieten. Allerdings habe ich das eingebrockt…weil ich sie nicht ignorieren konnte…
Für ca. 23.000 KES, das sind so ca. 180 Euro.
William hat das Boot gemietet und die Fischer angeheuert, und los ging’s. Alex und Papa kemen in den Genuss des Angelns und ein Fisch hatte Mitleid und schwamm ihnen irgendwann vor das Boot. Keine Ahnung, was das für ein Fisch war. Er war orangerot und riesig, mit einem riesigen Maul. Er sah aus wie ein großer Plastikfisch. Für mich alles andere als appetitlich.
Der Fischer fuhr mit zwei Leuten, meinem Bruder und meinem Vater aufs Meer. Sie waren mindestens 5 Stunden draußen. Später fanden wir heraus, dass der Fischer für sich und seine Leute 5000 Schilling bekam. Unser Captain William ist also ein kleiner Mafiosi. Alibaba spricht sehr gut Deutsch. Sogar Sprichwörter. Allerdings weicht er einem nicht von der Seite, das nervt schon. Man muss dann wirklich konsequent sein, das ist für mich eine gute Bühne zum Üben 😊. Sie alle haben immer dieselben verschlissenen T-Shirts an. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Sachen, die man spenden würde, nicht einfach irgendwo auf einem Verkaufstisch landen würden. Alibaba erzählte mir, sie leben von der Hand in den Mund. Alles Geld, das irgendwo reinkommt, wird sofort in Essen und Trinkwasser umgewandelt. Jetzt stell dir mal vor: Du lungerst Tag für Tag hungrig und durstig vor einem 4-Sterne-Restaurant und siehst den fetten Touristen beim Essen zu, oder schlimmer noch: Sie essen es nicht auf, und trotzdem hungerst du. Das ist doch total Kacke. Ich möchte am liebsten gar nicht mehr irgendwo essen gehen oder mich überhaupt mit meinem wohlgenährten Körper sehen lassen. Derzeit möchte ich einfach nur nach Hause und das alles irgendwie vergessen. Wenn man überlegt, wie viel Arbeit die Menschen in Hilfsorganisationen für Afrika stecken und dann hierher kommt und sieht, dass nichts davon irgendwo ankommt.
Afrika braucht keine Dinge und Klamotten
Mann, was wollte ich nicht alles einpacken, um es hier zu verschenken. Einen Haufen Kinderklamotten zum Beispiel. Aber es ist warm hier, wirklich warm, und wir haben jetzt Winter. Die Leute besitzen vielleicht 1-2 Shirts und eine Hose, und das reicht tatsächlich aus. Wenn man es wäscht, ist es schnell trocken. Viele tragen einfach nur diese Tücher. Also: Kenia braucht keine Klamotten! Es gibt hier sogar einen Supermarkt (natürlich für die Reichen). Dort gibt es alles, es soll so sein wie bei Kaufland. Dort gibt es Dinge für den europäischen täglichen Bedarf und darüber hinaus. Dorthin werde ich jetzt fahren… und mich wieder schämen. Aber Yara geht es nicht gut. Sie kann den Tee, das Wasser und die tollen Passionsfrüchte nicht riechen. Bei allem wird ihr schlecht. Ich hoffe, in diesem Markt mal ein „Volvic-Wasser“ (kaum zu glauben, andere boykottieren Nestle und das kann ich nun mehr verstehen denn je) und ich brauche das jetzt. Ich muss Nudeln oder irgendwas finden, was für Yara nicht fremd riecht. Ich mache mir Sorgen. Sie hat abgenommen und es ist eh wenig an ihr dran. Ich weiß, Sorgen machen sich hier viele Mütter um ihre halbverhungerten Kinder, denen es weitaus schlechter geht. Aber ich kann nicht anders. Ich kann sie nicht einfach mitnehmen, im Tuk-Tuk würde sie wahrscheinlich umkippen. Ich werde Juma bitten, alles zu verriegeln. Wohl ist mir nicht, sie hier allein zu lassen. Aber die anderen sind auf Safari und ich muss sie aufpäppeln. bis gleich…
Ich glaube, ich habe die Kommentarfunktion aktiviert
lass ruhig einmal deine Meinung da